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Höchstadt/A., 02.08.2010


Zum Jahresschluss

 
Liebe Freunde unserer Schule,

gespannt bin ich ja, was sich die Italiener einfallen lassen! Sie werden sich anstrengen müssen. Schnee in Brive, Vulkanasche in Castlebar, Hochwasser in Roznov pod Radhostem. Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen! Selten war diese alte Volksweisheit aussagekräftiger als in unserem ersten Comenius-Jahr. Und damit benenne ich auch gleich das erste herausragende Ereignis in diesem Schuljahr: der Comenius-Austausch.
Wer die Ruhe, die Beschaulichkeit und die Beständigkeit braucht oder sucht, für den ist Comenius nichts. Störung, Stress pur und in der Konsequenz Ablehnung, Unsinn. Wer aber dabei war, dabei mit Leib und Seele, als junge Leute aus anderen Ländern zu uns kamen, wer vielleicht gar als (leider) kleine Minderheit selbst am Austausch teilnahm, der weiß, dass nachher nichts mehr so ist wie vorher. Zum Beispiel: Wie sind, knieweich und gichtfingrig, unsere Schüler/innen und die jungen Gäste am Anfang aufeinander zugegangen, wie haben sie sich tränenschwer und warmherzig nach einer Woche verabschiedet. Hier wird Europa wirklich gebaut, mehr als in Amtsstuben und auf Finanzmärkten. Ehrlicher und menschlicher auf jeden Fall. Comenius bringt Unruhe, Arbeit und eine große Verantwortung, und deswegen haben auch alle beteiligten Lehrkräfte ein besonderes Lob und einen besonderen Respekt verdient, aber Comenius gibt auch unendlich viel, für Kinder wie Eltern und Lehrer, etwas, was sich für immer aus der Schulzeit unvergesslich herausheben wird. Trotz oder wegen der Naturkatastrophen, die den Austausch begleiteten. Noch haben wir ein Comenius-Jahr vor uns: Turbulente Zeiten können prognostiziert werden.

Es gab durchaus Lehrkräfte, die auch das zweite Hauptereignis des Jahres Natur-Katastrophen anfangs gleichsetzten: die Evaluation unserer Schule. Evaluation ist ein Messinstrument zur Qualitätsanalyse einer Schule. Vereinfacht: Es stützt sich auf das Urteil von Eltern, Schülern und Lehrern, die in umfangreichen Fragebögen aus der jeweiligen Sicht die Qualität der Schule beurteilen. Zu den Kriterien gehören z.B. Fachkompetenz der Lehrer, Unterrichtsmethoden, gerechte Leistungsbewertung, Schulerfolg ebenso wie Fragen zum sozialen Klima, der Zufriedenheit oder auch zu den Management-Fähigkeiten der Schulleitung. Es folgen dreitägige Unterrichtsbesuche durch eine Kommission, eingehende Gespräche mit allen an der Schule Beteiligten, eine Konferenz, in der die Ergebnisse der Kommission vorgestellt werden, dann folgt der ausführliche Schlussbericht.
Das Ergebnis kann sich nicht nur sehen lassen, es ist grandios, ich meine fast einmalig.
Was dabei in besonderem Maße faszinierend ist, dass in allen Teilbereichen und Fragestellungen die Einschätzung von Schülern, Lehrern und Eltern nahezu deckungsgleich ist, das heißt, dass es stimmen muss, wenn alle es unabhängig voneinander so sehen oder empfinden. Es heißt auch, wir sind auf dem richtigen Weg, wir schaffen es gemeinsam, die Mauer zwischen den an Schule Beteiligten verschwinden zu lassen. Man kann, wenn man es nur wirklich will, mit kleinen Schritten, aber kontinuierlicher Arbeit grundlegende Veränderungen erwirken. Eben zum Beispiel ein Schulklima, das das Lernen erleichtert, eine Strategie verfolgen, die auf Förderung statt Auslese setzt, akzeptieren, dass Kinder unterschiedlich sind und nicht alle zur gleichen Zeit in allen Bereichen den gleichen Entwicklungsstand haben, auch Geduld und Nachsicht zu haben.
Selbstbewusst trauen wir uns sagen: Wir sind gut – nicht obwohl, sondern weil wir den Mut haben, Schule anders zu sehen.

Noch ist es nicht gelungen, alle mitzunehmen, noch gibt es Schüler wie Eltern – eher selten Gott sei Dank – die uns nicht trauen wollen oder können, die der Schule feindlich gegenüberstehen. Es gibt wohl kein Rezept, das allen schmeckt. Die Ausrichtung der Schule darf dadurch nicht in Frage gestellt werden. Es gibt ja auch noch andere Schulen.

Insofern ist es für mich kein alljährliches Ritual oder eine Pflichtübung zu danken. Ohne das Zutun, ohne den Mut und ohne das Vertrauen so vieler könnte nichts gelingen. Die Ergebnisse der Evaluation zeigen: Wir wollen das gleiche Ziel: Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Ihnen darf ich hier ganz besonders Respekt zollen, weil sie sich eingelassen haben, Schule zu leben, nicht sie täglich hinter sich zu bringen, weil sie Vorbild und Wärme in die Klassenräume tragen, weil sie ihre Schule gestalten. Sie wissen wie ich: Es gibt einfachere, ruhigere, leisere und bequemere Schulen. Angenehmere kaum.

Selbstzufriedenheit fürchten wir nicht. Sie würde in Stillstand, dann Rückschritt führen. Es gibt ja noch so vieles zu denken, zu planen, zu wägen und zu entscheiden.

•    Weg vom Einheitsunterricht, der keinen Unterschied macht zwischen Schwachen und
      Starken
•    Spaß daran zu finden, Pläne für die Verschiedenartigkeit von Kindern zu entwickeln
•    weiter Kriterien für erfolgreiches Unterrichten zu planen
•    das Spektrum der Begabung aller Kinder zur Entfaltung bringen
•    die Verantwortung für das Lernen auf die Kinder zu übertragen
•    starke Kinder ins Leben zu führen.

Manches wird eine Vision bleiben, manches wird wie eine Seifenblase zerplatzen, weil die Schönheit keine Dauer hatte, manches aber wird unserer Schule ein noch unverwechselbareres, einmaliges Gesicht geben. Und es muss wieder standhalten dem Urteil von Schülern, Eltern und Lehrkräften.

Und zum Schluss?
Da kommen sie wieder, die guten Wünsche für die Ferien und die Erholung, zum Ausspannen und Kraft sammeln, zum Entferntsein von Schule, zum Beine baumeln und die Seele fliegen lassen, Wünsche für Tage wie Brausepulver: prickelnd und schäumend und scheinbar endlos wie in der eigenen Kindheit.


Alles Gute und vielen Dank für ein gelungenes Schuljahr!
Ihr

R. Bum
Schulleiter





 
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